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“Die Ausfälle wegen Arbeitsunfähigkeit steigen”

Ein Kurzinterview zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Immer mehr Unternehmen implementieren ein Betriebliches Gesundheitsmanagement. Doch was versteht man eigentlich darunter? Wir haben der Kölner Expertin Karolin Schilp hierzu ein paar Fragen gestellt.

Was versteht man eigentlich unter BGM?

BGM steht für Betriebliches Gesundheitsmanagement und umfasst Alles, was zur Gesundheit des Unternehmens beiträgt. Dabei ist nicht allein die körperliche und psychische Gesundheit der Beschäftigten gemeint, sondern die Stabilität und Gesundheit des Unternehmens generell. Demografiemanagement und die Weitergabe von Know How älterer Beschäftigten an Berufseinsteiger kann beispielsweise genauso wichtig sein wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine gute Team- und Führungskultur, Fehlzeitenanalyse oder die Organisation der Arbeit an sich. Wichtig ist hierbei, dass es sich um „Management“ handelt, also ganzheitlich sein sollte und immer von der Unternehmensführung gewollt und mitgestaltet ist.

Ist der Bedarf an BGM-Maßnahmen in den letzten Jahren gestiegen? Wenn ja, woran liegt das?

Ja, viele Unternehmen stellen Betriebliche Gesundheitsmanager ein oder lassen sich schulen und beraten, um ein BGM zu implementieren. Das hat mehrere Gründe: Erstens gibt es (zum Glück) rechtliche Vorschriften, denen jeder Arbeitgeber nachkommen muss. Zum Beispiel ist er gesetzlich verpflichtet, jedem Beschäftigten, der eine bestimmte Anzahl an Fehltagen wegen Arbeitsunfähigkeit erreicht, ein BEM – Betriebliches Eingliederungsmanagement – anzubieten. Hierbei soll gemeinsam nach Wegen und Lösungen geschaut werden, ob es innerbetriebliche Möglichkeiten gibt, um den/die Beschäftigte zu unterstützen. Auch müssen die Arbeitgeber darüber hinaus seit 2013 arbeitsplatzbezogene „Gefährdungsbeurteilungen psychische Belastungen“ durchführen. Dabei muss geprüft werden, von welchen psychischen Faktoren eine Gefährdung ausgehen kann. Ein weiterer Grund für die Implementierung von BGM ist natürlich die Tatsache, dass die Ausfälle wegen Arbeitsunfähigkeit steigen. Dies belegen die Gesundheitsreporte der Gesetzlichen Krankenkassen, wobei es einen Anstieg der psychischen Erkrankungen zu geben scheint. Zudem investieren vorbildliche Unternehmen in die Prävention und bieten ihren Beschäftigten konkrete Gesundheitskonzepte an. Dies sind BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) Maßnahmen wie zum Beispiel Ernährungsberatung eine Laufgruppe, Yoga oder mobile Massage.

Was können Mitarbeiter konkret selbst tun, um besser mit Stress und Belastungen umgehen zu können?

Ein gutes und nachhaltiges Stressmanagement ist immer „multimodal“. Mitarbeiter können auf mehreren Ebenen dem Stress begegnen. Grundlage dafür ist das Wissen rund um den Stress. Was bedeutet Stress überhaupt und was verstehen wir unter Belastungen? „Psychische Belastung“ zum Beispiel ist erst einmal ein neutraler Begriff. Erst wenn die psychischen Belastungen überhand nehmen und uns schaden, sprechen wir von „Überbelastung“ oder „Fehlbeanspruchung“. Wenn das der Fall ist, sollten wir gegensteuern. Dies können wir erstens auf der instrumentell/kognitiven Ebene: Wir reflektieren, ob wir etwas an unserem Zeitmanagement ändern, uns weiterbilden oder anderweitig recht schnell etwas in unserer Organisation umgestalten können. Zweitens können wir auf der regenerativen Ebene tun, damit ist alles gemeint, was uns entspannt und Spaß macht. Und drittens- eine Herausforderung für jeden- können wir mit unseren Emotionen und Gedanken arbeiten. Auf der mentalen Ebene können wir zum Beispiel hinderliche Glaubenssätze identifizieren (und verändern!) oder lernen, Perspektiven zu wechseln.

Welche Leistungen erbringst du für Unternehmen in dem Zusammenhang?

Ich unterstütze und begleite Unternehmen in ihrem Prozess, ein BGM zu strukturieren oder aufzubauen. BGM soll immer individuell und passgenau sein. Meistens muss durch eine aussagekräftige Analyse geschaut werden, an welchen Stellen es „krankt“. Dort kommen manchmal auch Wahrheiten heraus, die die Akteure nicht so gerne hören möchten, zum Beispiel das leidige Thema der schlechten Führungskultur. Aus der Analyse werden dann auf die Problemlagen zugeschnittene Maßnahmen generiert, die auch evaluierbar sein sollten. Meine Tätigkeitsschwerpunkte im Rahmen der Maßnahmen sind Stresskompetenz- und Resilienztraining. Ebenso berate und schule ich zum Thema BEM, „Umgang mit (psychisch) erkrankten Beschäftigten“, „Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen“ und „Gesunde Führung“.

Mehr Infos zu Karolin Schilp finden Sie auf ihrer Website.

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2019-04-30T13:54:49+02:00 Work-Life-Balance|