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Studie zur Grenzabgabenbelastung: Arbeit muss sich rechnen

Die letzte umfassende Reform der Einkommensteuer hat es im Jahr 2005 unter der damals rot-grünen Regierung gegeben. Dennoch ändert sich seit 2013 der Einkommensteuer-Tarif jährlich zumindest geringfügig. Durch eine Erhöhung der Grundfreibetrags werden so die Tarifgrenzen entsprechend der Inflationsrate verschoben, so dass verhindert wird, dass die Steuerbelastung von Arbeitnehmern steigt, ohne sie jedoch real mehr Geld verdienen. In diesen Jahren hat sich einiges verändert. So haben Inflation und Lohnwachstum dazu geführt, dass heute auch kleinere Einkommen recht stark belastet werden. Hierzu haben Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft im Rahmen einer Studie untersucht, wen die Grenzabgabenbelastung besonders hart trifft.

Seit Anfang des Jahres können die Tarifbeschäftigten der IG Metall zwischen mehr Geld und mehr freien Tagen wählen. Die Mehrheit der Arbeitnehmer entscheidet sich dafür, lieber weniger zu arbeiten. Das ist einerseits vielleicht dem gesamtgesellschaftlichen Trend geschuldet, andererseits dürfte diese Entscheidung auch mit der sogenannten Grenzabgabenbelastung zu tun haben. Die Grenzabgabenbelastung ist der Betrag, den ein Beschäftigter von einer Lohnerhöhung abgeben muss, was über die Hälfte des zusätzlichen Gehaltes ausmachen kann.

“Je höher die Grenzbelastung ausfällt, desto weniger bleibt vom zusätzlichen Bruttoeinkommen netto übrig. Daher reduzieren hohe Grenzbelastungen nicht nur die Bereitschaft Arbeit aufzunehmen, sondern verhindern tendenziell auch eine Ausdehnung der Arbeitszeit.” (IW-Report 21/2019)

Selbst Empfänger des gesetzlichen Mindestlohns mit einem monatlichen Bruttogehalt von 1.600 Euro müssen rund ein Viertel des Gehaltes abgeben, so dass hat nach allen Abgaben noch rund 1.200 Euro übrig bleiben. Wird dieser Lohn vom Arbeitgeber um 100 Euro, muss der Beschäftigte von dieser Erhöhung prozentual deutlich mehr abgeben als von seinem bisherigen Gehalt. Von den 100 Euro bleiben bleiben ihm gerade einmal 53 Euro. Bei einem monatlichen Gehalt von 7.000 Euro hätte man von zusätzlichen 100 Euro dagegen 56 Euro netto übrig. Aufgabe der Politik ist es also, gerade Haushalte mit kleinem oder durchschnittlichem Einkommen bei Lohnerhöhung nicht so stark zu belasten. Der Anreiz zu arbeiten wird nur dann gesteigert, wenn die Grenzabgabenbelastung gesenkt wird. Zuletzt geschah das 2005, als die Grenzbelastungen über fast den gesamten Einkommensbereich deutlich gesenkt wurden.

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2019-06-11T12:03:40+02:00 Arbeitswelt|