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Interview mit Sabine Klement | Kunst im Unternehmen

Sabine Klement ist Kunstvermittlerin in Köln. Sie  entwickelt Dienstleistungsangebote für Unternehmen, um bildende Kunst individuell erlebbar zu machen. Neben dem Erwerb von Kunstwerken bietet sie auch an, Kunst zu mieten oder ein Kunst-Abo abzuschließen. Wir haben mit ihr über das Thema Kunst im Unternehmen gesprochen.

Liebe Frau Klement, Sie vermitteln Kunst in Unternehmen. Uns würde interessieren, wie weit das Thema in der Wirtschaft angekommen ist.

Der Kunstmarkt ist selbstverständlich Teil der ‚Wirtschaft‘ und Kunst als Wertanlage ist ein traditionelles Wirtschaftsthema!

Ich persönlich vermittle zeitgenössische Bildende Kunst von hoher Qualität, die aus diversen Gründen im Kunstmarkt nicht im obersten Preissegment, wo Spekulationsgewinne gewünscht werden, angelangt ist. Hier gibt es ein recht umfangreiches, aber unübersichtliches Angebot, weil die etablierten Vertriebswege nur für wenige Produzenten funktionieren und: nein – der Zugang zu diesem Marktsegment ist für viele Unternehmer nicht gegeben. Es fehlt die Zeit, manchmal das Interesse, oft die Erfahrung und auch das Wissen um die Möglichkeiten, es herrscht also große Unsicherheit.

Der Kunstmarkt ist nach Teilnehmern ein kleiner, traditionell undurchsichtiger Markt mit einem sehr innovativen, nicht immer leicht verständlichen Produkt, alles Einzelstücke, unklare Qualitätsstandards – das verschreckt verständlicherweise viele, leider! Ich verstehe mich als Adapter zwischen den notwendigerweise unterschiedlichen Herangehensweisen ergebnisorientierter Unternehmer einerseits und prozessorientierter Künstler andererseits. Beide Gruppen sind mit ihren Haltungen gesellschaftlich besonders wichtig und könnten und sollten mehr voneinander profitieren!

Der Gewinn des Unternehmens durch Ausgaben für gute Kunst an den Wänden realisiert sich dabei nicht in erster Linie im Vermögenszuwachs, sondern im Zufluss an kreativem Input, an unangepasstem Denken – dem Rohstoff für Problemlösungskompetenz schlechthin.

Welchen Effekt hat Kunst in Unternehmen? Verändert Kunst etwas bei den Mitarbeitern, der Unternehmenskultur oder dem Mitarbeiter?

Kunst kann am richtigen Ort angemessen präsentiert auf eine Weise ästhetisch wirken, die im Gedächtnis haften bleibt und das Umfeld optisch und atmosphärisch aufwertet – so wie ein interessanter und angenehmer Mensch in einer Gesprächsrunde. Gute Kunst macht sich visuell nachhaltig bemerkbar, indem sie Betrachter immer wieder neu in Interaktion bringt: sie regt Ideen und Emotionen an – wir sprechen von Inspiration.

Kunst hat immer ein inhaltliches Anliegen, sie vermittelt konkret oder abstrakt ein Thema und involviert Betrachter in Auseinandersetzung hiermit. Dadurch regt sie in ihrem Umfeld die Kommunikation an. Mit Kunst im Unternehmen können Sie die Kommunikation unter Kollegen auch gezielt beeinflussen – ich habe schon mit Business-Coaches inhaltlich zusammengearbeitet, indem ich die Auswahl von Kunstwerken im Unternehmen mit ihnen abgestimmt habe.

Kunden und Mitarbeiter halten sich gerne in wertigen Umfeldern auf, das ist doch klar! Es geht darum, Wertschätzung zu vermitteln und Einzigartigkeit auf verschiedenen Ebenen zu kommunizieren – das kann mit originalen Kunstwerken sehr gut gelingen. Ein Mensch, der sich wohl fühlt, agiert konstruktiver und ist offener. Dass die Mitarbeiter das wichtigste Kapital des Unternehmens sind, ist mittlerweile ein geflügeltes Wort geworden, aber die Umsetzung dieser Erkenntnis kommt nur langsam in Gang. Wertschätzung sollte nicht beim ergonomischen Stuhl und der Obstschale aufhören – Menschen arbeiten schließlich nicht nur mit dem Körper, Seele und Geist sind ebenso wichtig.

Das Ausstellen der Kunstwerke bei Miete oder Kauf verbinde ich immer gerne mit einem Impulsvortrag – für die Mitarbeiter ist das ein regelmäßiges, anregendes Pausenevent, ein Surplus zum fordernden Arbeitsalltag – man freut sich darauf! Wenn man sich für Kunst im Unternehmen entscheidet, können Mitarbeiter z.B. auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv ein Kunstwerk für ihren Arbeitsbereich auszuwählen, um den Raum positiv zu besetzten, Identifikation zu schaffen und auch im Kopf Fenster zu öffnen.

Es könnte aber auch die Kritik geben, dass Unternehmer Kunstwerke lediglich als Prestigeobjekte verwenden, um den eigenen Erfolg darzustellen? Wie ist hier Ihre Erfahrung?

Wer offensichtliche, materielle Statussymbole wünscht, investiert erfahrungsgemäß in andere Dinge. Im Gegenteil – gute, originale, zeitgenössische Kunstwerke im Raum sind eine vergleichsweise diskrete, individuelle und eher inhaltliche Art sich durch Konsum ‚abzuheben‘. Das kommt daher, dass nur wenige Menschen Zugang zu dieser ‚Produktgruppe‘ haben – auf den allgemein bekannten Kunstmessen liegen sie im Preis deutlich höher als bei mir.

Man kann im Übrigen auch den Standpunkt beziehen, dass Unternehmer*innen hier einen wertvollen Beitrag zur Kulturförderung leisten können. Es gibt dieses Bonmot ‚Kaufe Kunst von lebenden Künstlern, die toten haben es nicht mehr nötig.‘ – auch wenn der Satz platt rüberkommt stimmt sein Kern natürlich! Die Berufsgruppe der Künstler*innen ist eine zahlenmäßig sehr kleine, vergleichsweise finanzschwache Interessengruppe, bestehend aus lauter Berufsindividualisten mit einer eher schwachen Lobby. Entsprechend schlecht sind ihre Interessen politisch vertreten. Gleichzeitig gehen von Künstler*innen aber die entscheidenden Impulse für die kulturelle Identität, für den zeitgenössischen gesellschaftlichen Diskurs und zahlreiche Innovationen aus. Dieser Dienst wird ihnen traditionell schlecht vergütet – Künstler nehmen das meist in Kauf, weil sie ihren Beruf lieben und hochgradig idealistisch motiviert sind. Warum sollten Unternehmen, die es sich leisten können, nicht an dieser Stelle sinnvoll investieren – statt in Akustikbilder oder den zigtausendsten Fotodruck eines altbekannten Motivs?

Wie sieht denn ein typischer Kunde von Ihnen aus, so es ihn überhaupt gibt?

Tja – ich betreibe meine Agentur nun seit sieben Jahren und behaupte: gute, erfolgreiche Kunstvermittlung ist kein Massengeschäft. Für mich zählt gerade, Kunden mit ihren Bedürfnissen individuell wahrzunehmen und diese mit passgenauen Produkten und Dienstleistungen zu beantworten – insofern ist jeder Kunde ein Einzelfall. Am ehesten vereint Kunstinteressierte Neugierde! Es sind unabhängige, selbstbewusste, aufgeschlossene Menschen, die an Entwicklung interessiert sind – der eigenen ebenso wie der ihres Unternehmens und ihres näheren Umfeldes, z.B. der Mitarbeiter*innen. Das sind übrigens wichtige unternehmerische Eigenschaften!

Wenn sich ein Unternehmen nun dazu entscheidet, Kunst in den eigenen Räumlichkeiten einzusetzen, wie geht es dann am besten vor?

Man vereinbart zum Beispiel ganz ‚klassisch‘ einen Ortstermin mit mir – dann schaue mir die Räume an, ermittele im Gespräch mit einem Interessenten, welche Lösung – Miete oder Kauf, Abo oder unregelmäßige Werkwechsel – am besten zu ihm passt und erstelle ein individuelles Angebot, meist mit einigen Bildbeispielen. In Fällen, in denen ein Interessent räumlich weit entfernt gelegen ist, arbeite ich zunächst rein digital, man kann mit Fotos und Visualisierungen heutzutage Vieles abklären. Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich zu überlegen, welches Budget man in etwa in Kunst investieren möchte und dies mit allen Entscheidern abzusprechen. Manche Kunden fangen richtig Feuer und arbeiten sich akribisch durch meine Homepage, auf der es tatsächlich viel zu entdecken gibt und wir können dann gleich mit einigen ‚Lieblingswerken‘ starten.

Ich freue mich am meisten darüber, wenn jemand meiner Expertise vertraut und mir im Wesentlichen freie Hand lässt – sollte eine Auswahl überhaupt nicht auf Gegenliebe eines Kunden stoßen, kann man sie selbstverständlich austauschen. Allerdings ist das noch nie vorgekommen – ich denke, ich kann sowohl Kunstwerke als auch Menschen recht gut einschätzen.

Ich vermittle bei Bedarf einen Dienstleister, der z.B. Galerieschienen anbringt, kümmere mich um Transport und Hängung, natürlich um alles Vertragliche und die Zahlungsabwicklung zwischen allen Parteien – mit der Auftragserteilung kann der Kunde sich wirklich zurücklehnen, seinem eigenen Business nachgehen und sich an der Kunst erfreuen. Die größten Bedenken gibt es übrigens immer bei der Frage nach der Versicherung der Kunstwerke gegen Diebstahl oder Schäden. Die Antwort ist schlichtweg die Betriebsversicherung der Kunden, davon sind Kunstwerke im Normalfall abgedeckt, sobald man sie dem Versicherer angibt – ich vertreibe ja zum Glück keine Michelangelos!

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen über das reine Ausstellen von Bildern und anderen Kunstobjekten hinaus?

Sabine Klement, Kunstagentin, (Krzysztof Gruse)

In Hinblick auf Kunden und Kooperationspartner kann schon die Vernissage einer interessanten Ausstellung ein Anlass sein, wieder einmal einzuladen oder auf sich aufmerksam zu machen und mit allen im Gespräch zu bleiben.

Man kann für Unternehmen aber darüber hinaus Konzepte entwickeln, bei denen der Austausch mit dem Künstler stärker im Vordergrund steht. Zum Beispiel als Ergebnis eines Wettbewerbs ein Artist in Residence-Programm aufsetzen, in dessen Rahmen ein Künstler speziell zu einem Thema, das ein Unternehmen ausmacht, eine Arbeit vor Ort über einen längeren Zeitraum entwickelt. So kann ein Material, ein Produkt oder eine Dienstleistung in Szene gesetzt werden – es gibt best practice Marketing Beispiele, die auf sehr intelligente und nachhaltige Art Aufmerksamkeit und positive Publicity erzielten.

Man kann mit Kunstwerken großartige Benefiz-Aktionen zu individuell gewählten Zwecken starten, z.B. Auktionen veranstalten, bei denen man selbst als Unternehmen gar nicht kauft oder mietet, sondern nur die Plattform für etwas Größeres, Inspirierendes ist – hier geht es stark um Wertevermittlung, unternehmerische Glaubwürdigkeit, Nachhaltigkeit im Marketing und letztlich wirklich um Uniqueness.

Man kann Räume zur künstlerischen Zwischennutzung freigeben und Kunstaktionen ermöglichen, die dauerhaft Publikumsverkehr und Öffentlichkeit erzielen. Und nicht zuletzt kann man mit künstlerischen Kleinserien einzigartige und besonders wertige Giveaways für Kunden und Mitarbeiter erstellen – die Möglichkeiten sind wirklich vielfältig und niemals uniform oder abgegriffen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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2020-01-27T10:40:22+01:00 Arbeitswelt|